Kina Yakimova will beim Frauentag in Bobingen anderen Frauen Mut machen
Er ist eine feste Institution in der Region geworden: Der Frauentag in Bobingen, der das Motto „Frauenpower zwischen Leben und Beruf“ trägt. Den Leitvortrag am Samstag, 7. März, um 14.10 Uhr wird Kina Yakimova halten, die über ihr Schicksal und ihre Erfahrungen daraus berichtet. Heute gibt die dreifache Mutter Kraft und den Mut, die sie selbst aufgebracht hat, an andere weiter.
Frauentag in Bobingen
In diesem Jahr wird es im Foyer der Singoldhalle wieder zahlreiche Vorträge und Stände zum Schauen, Einkaufen und Bummeln geben. In den Gruppenräumen finden Fachvorträge zu verschiedenen Themen statt: Sebastian Kneipp, ein „Reset für Rücken und Haltung“, Ernährung in den Wechseljahren, „Schokomeditation“, Autorenlesungen, Natur(heil)kosmetik, Yoga und Kunst, die eigene Persönlichkeit, Basisch fit in den Frühling, Bibel-Öle erforschen oder ein frischer Frühlingslook – die Themenliste ist vielseitig und für jedes Alter und Interesse geeignet. Tanz und Selbstverteidigung zeigen sich im großen Saal, wo Theresia Zettler einen Vortrag halten wird, bevor Geschichtenerzählerin Margrit Horsche und Pfarrer Peter Lukas um 18 Uhr wieder mit ihren Gute-Nacht-Geschichten die Veranstaltung beschließen. Informationen zum Bobinger Frauentag und das ausführliche Programm gibt es auf der Homepage der Stadt Bobingen.
Sie haben durch eine Sepsis beide Beine und einen Arm verloren. Wie verlief Ihr Leben vor diesem Schicksalsschlag?
KINA YAKIMOVA: Ich war in jener Lebensphase barmherzig und mitfühlend gegenüber anderen, ein wenig naiv, aber voller Optimismus. Als Mutter von drei Kindern und glücklich verheiratete Frau bemühte ich mich, die Fürsorge für meine Familie mit meinen persönlichen Träumen und Zielen in Einklang zu bringen. Ich würde mich als einen Menschen mit einem Lächeln im Gesicht beschreiben, der selbst vor Herausforderungen nicht zerbricht, mit einem Sinn für Humor, der mir half, die kleinen und großen „unschönen“ Momente des Alltags zu bewältigen.
Und danach?
YAKIMOVA: Danach schien alles plötzlich ganz klar. Als ich nach zwei Wochen aus dem Koma erwachte, wusste ich: Nichts würde mehr so sein wie zuvor – und doch war alles entschieden. Ich hatte drei Gliedmaßen verloren. Sie hatten sich gewissermaßen „geopfert“, um mein Leben zu retten. Dieser Gedanke erfüllte mich nicht mit Bitterkeit, sondern mit tiefer Dankbarkeit. Ja, ich hatte unermesslich viel verloren – aber ich hatte auch das Wertvollste behalten: mein Leben. Und dafür war ich voller Dankbarkeit, voller Freude, voller Liebe. In diesem Moment traf ich eine bewusste Entscheidung: Egal, wie mein Weg aussehen würde, egal wie steinig oder herausfordernd er sein mochte – ich würde das Beste aus meinem Leben machen. Ich würde nicht zulassen, dass mein Schicksal mich definiert.
Heute machen Sie anderen Menschen mit Ihren Vorträgen Mut, bieten auch persönliche Beratung an. Wie kam es dazu?
YAKIMOVA: Ich war schon immer jemand, der gut zuhören konnte. Ich spürte, dass genau dort meine Stärke liegt – im Dasein, im Zuhören, im gemeinsamen Sortieren von Gedanken und Gefühlen. Aus diesem Grund entschloss ich mich, eine Ausbildung zur psychologischen Beraterin zu beginnen. Rückblickend hat mich diese Zeit auf mein heutiges Leben vorbereitet. Ich biete heute Beratungen an, die ich bewusst „Mutmachgespräche“ nenne. Es sind Gespräche auf Augenhöhe – ehrlich, wertschätzend und getragen von Vertrauen.
Was gibt Ihnen in Ihrem Leben selbst Halt und Stärke?
YAKIMOVA: An erster Stelle stehen für mich meine Familie und meine Freunde. Sie sind mein Fundament, mein Rückhalt und meine Kraftquelle. Was mich wirklich stark macht, ist die tiefe Annahme, dass ich nicht immer stark sein muss. Ich muss nicht ständig kämpfen, funktionieren oder standhaft bleiben. Ich darf einfach ich selbst sein – mit all meinen Gefühlen, mit meiner Verletzlichkeit und mit meiner Kraft. Wahre Stärke bedeutet für mich heute nicht mehr, alles auszuhalten, sondern ehrlich zu mir selbst zu sein. Ich erlaube mir, stark zu sein. Und ich erlaube mir, schwach zu sein. Beides darf nebeneinander existieren. Denn das Wertvollste, was ich besitze, ist mein Leben – und mein tiefer Glaube an das Leben. Dieser Glaube trägt mich durch Licht und Schatten und erinnert mich immer wieder daran, dass jeder Tag – so wie er ist – ein Geschenk ist.
Welche Worte oder Empfehlungen geben Sie anderen gerne mit auf den Weg?
YAKIMOVA: Durch meine Beratungen, meine Vorträge, mein Buch und meine Projekte möchte ich eine klare Botschaft in die Welt tragen: Hoffnung geht niemals verloren – selbst dann nicht, wenn alles dunkel erscheint. Oft sehen wir sie nicht sofort, doch sie ist da. Manchmal leise, manchmal verborgen, aber immer vorhanden. Ich wünsche mir, dass Menschen erkennen, wie unendlich kostbar ihr Leben ist. Dass sie beginnen, nicht nur auf das zu schauen, was fehlt, sondern auf das, was bereits da ist. Dankbarkeit verändert unseren Blick. Sie schenkt uns die Fähigkeit, selbst in schwierigen Zeiten Licht zu entdecken. Wenn wir lernen, das Leben bewusst wahrzunehmen und wertzuschätzen, erkennen wir, dass selbst kleine Momente große Bedeutung haben.
Von Anja Fischer
Quelle: https://www.augsburger-allgemeine.de/schwabmuenchen/kina-yakimova-will-bem-frauentag-in-bobingen-anderen-frauen-mut-machen-113629671